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Junge Menschen und Alkohol

Mai 2009

Junge Menschen, dazu zähle ich nicht nur Jugendliche im Sinne des Gesetzes, also 14-18-jährige, sondern auch Jung–Erwachsene, sind experimentierfreudig. Das liegt in der Natur der Sache und: Sie sollen und wollen auf dem Weg zum Erwachsenwerden Unbekanntes ausprobieren und Neues erkunden. Mitunter reizt gerade das, was nicht erlaubt ist. Der trotz erheblicher Strafandrohung ungebremste Umgang mit illegalen Drogen bestätigt diese Aussage. Die Vernunft und Einsicht auch im Umgang mit Alkohol ist mitunter noch nicht vorhanden und wenn doch, läuft man als junger Mensch Gefahr, innerhalb der Gruppe als Außenseiter und Spießer wahrgenommen zu werden. Trink-Rituale und Räusche werden gepflegt und häufig sind es wir Erwachsene, die den Jungen ein schlechtes Beispiel geben. 

Die Trinkkultur gehört seit Alters her zu unserer Gesellschaft wie das Rauchen von (rauschmittelfreien) Wasserpfeifen im Orient und grundsätzlich ist dagegen, soweit mit Vernunft betrieben, wenig einzuwenden. Darüber müssen wir nicht reden. Wohl aber über die Exzesse des Alkoholmissbrauchs, wie wir sie überall, nicht nur in Forchheim, vermehrt bei Erwachsenen und immer jünger werdenden Konsumenten antreffen.

Alkohol generell, aber insbesondere auch alkoholische Mixgetränke in immer neuen Variationen stehen bei jungen Menschen hoch im Kurs, je bunter und verrückter die Mischungen ausfallen, desto besser. Das ist ähnlich wie bei Designerdrogen. Das Unbekannte reizt. Dass gerade junge Menschen empfänglicher für aggressive Konsumwerbung sind und ihr oft kritiklos verfallen, ist ein bekanntes Phänomen. Optisch auffallende Leuchtreklame, dazu noch altersspezifische Musik und schon wird eine Oase für entspannten Alkoholgenuss geschaffen. Das Konzept ist einfach aber bewährt und funktioniert selbst an improvisierten Schnapsbuden. Die Gewinnspanne bei Spirituosen ist groß, wenn das nicht so wäre, würden nicht bei nahezu jedem Anlass Bars zu deren Konsum errichtet werden. So ist nur verständlich, dass einige gerade am Annafest auf diesen Zug aufspringen, machen sie doch in den 10 Tagen den Umsatz des Jahres.

Es sind nicht die klassischen "Kurzen", darunter fallen z. B. scharfe Schnapsbrände wie Williams oder Obstler, die den Jungen i. d. R. zusagen, es sind die durch Fruchtsäfte gesüßten oder durch gestoßenes Eis geschmacklich  verdünnten Cocktails und Schnäpse, die sie bevorzugen. Das war schon bei den nachgesüßten und mittlerweile drastisch besteuerten Alkopops so. Namen wie blue hawaian, Mai Tai, Manhatten oder Wodka-Lemon  klingen einfach angenehmer und trendiger als Kirschwasser oder Zwetschgenschnaps.

Doch lassen wir uns nicht täuschen: Die klassische Zutaten für Cocktails sind u. a. hochprozentige Spirituosen wie Wodka, Rum, Gin oder Whiskey.

Der Runde Tisch zum Thema "Alkoholmissbrauch durch Jugendliche", an dem u. a. Experten i. S. Jugendschutz wie etwa das Kreisjugendamt, der Kreisjugendring, aber auch die Polizei und ein Jugendrichter teilnahmen, hat sich vor kurzem mit deutlicher Mehrheit dafür ausgesprochen, am Annafest ein Zeichen dafür zu setzen, dass es uns Ernst ist mit der Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs. Das Gremium räumte den Belangen des Jugendschutzes einen höheren Stellenwert ein als dem zwar nachvollziehbaren, aber in diesem Fall unterprivilegierten kommerziellen Interesse von Alkoholbar- und Schnapsbudenbetreibern entlang der Zu- und Abgangswege.

Wir müssen ein Signal dafür setzen, dass wir nichts unversucht lassen, das Phänomen vollrauschiger alkoholvergifteter junger Menschen zumindest einzudämmen.

Das heißt: Keine zusätzliche Konsummöglichkeit hochprozentiger Alkoholika quasi im Vorübergehen entlang der Wege am Annafestgelände. Im gleichen Atemzug muss mit den Betreibern der stationär betriebenen Keller gesprochen werden. Freiwilliger Verzicht auf Werbetafeln und –anlagen für Hochprozentiges. Konsequente Umsetzung der Vorgaben des Jugendschutz- und Gaststättengesetzes durch Benennung eines Jugendschutzverantwortlichen.  Und keine Mogelpackung durch die Ermöglichung des "Umzugs" der mobilen Bars und Buden auf einen Bierkeller, weil dort keine entsprechende Untersagung ausgesprochen werden kann.

Anm: Leider ist mittlerweile genau das eingetroffen. Trotz eindeutigem Stadtratsvotum ist CSU-Stadtrat Stefan Schick, seines Zeichens Leiter der VfB-Handballabteilung, mit seiner Schnapsbude auf einen Keller umgezogen und umgeht hierdurch das Verbot. Und der Betreiber der anderen Schnapsbude? Der beherzigte offensichtlich einen Rat von CSU-Fraktionsvorsitzenden Udo Schönfelder, der ihm, wie der in einer öffentlichen Sitzung des Haupt-, Personal- und Kulturausschusses zu Wort kommende Gastronom bemerkte, empfahl, das Verbot durch Umzug der Schnapsbude auf einen Keller zu umgehen. Dabei hatte sich die CSU mit Schönfelder an der Spitze deutlich für die Ächtung des Konsums von Spirituosen am Annafest ausgesprochen.

Im gleichen Atemzug brauchen wir verstärkte Jugendschutz-Kontrollen entlang der Zugangswege- und Straßen zum Annafestgelände. Abschreckend wirken zudem die konsequente Verfolgung und Ahndung der unerlaubten Abgabe von Spirituosen an Minderjährige und eine entsprechende medial begleitete Aufklärungskampagne, an der sich z. B. auch Schulen und Vereine beteiligen könnten.

Es wäre einfacher zu sagen, das Problem gibt es überall, da kann man sowieso nichts machen.

Es wäre aber auch verantwortungslos, tatenlos zuzusehen, wie die legale Droge Alkohol im Bewusstsein und Alltag junger Menschen eine immer dominantere Rolle spielt.

Abschließend will ich meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass wir in Forchheim ein klares Bekenntnis zum Jugendschutz und versus Alkoholexzesse aussprechen. Die Verlängerung der Ausschank- und Verkürzung der Sperrzeit am Annafest, so jüngst im Stadtrat mehrheitlich beschlossen, steht hierzu im krassen Widerspruch. Die angesprochenen Schnapsbuden dürfen künftig sogar eine Stunde länger ausschenken als bisher. Verkehrte Welt... und kontraproduktiv zur ursprünglich vereinbarten Strategie des Runden Tisches.

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