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An Bauern denken
31.10.2011 - NN
Freie Wähler wollen eine „Fairtrade-Stadt“
Seit 2009 können sich Kommunen in Deutschland um den Titel „Fairtrade Stadt“ bewerben. Einen „fairen Handel“ wollen die Freien Wähler auch in der Stadt Forchheim etablieren und luden zu einer Infoveranstaltung.
FORCHHEIM — Zwei Milliarden Menschen, gut ein Drittel der Menschheit, leiden unter schwankenden Nahrungsmittelpreisen. Die Folgen: Hunger, schlechte Lebens- und Arbeitsbedingungen für viele Kleinbauern in der Dritten Welt. Oftmals sind sie hilflos dem großen Weltmarkt ausgeliefert. Darauf machte Manfred Hümmer, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Stadtrat, zu Beginn der Infoveranstaltung im Gasthaus am Marktplatz aufmerksam. „Global denken, lokal handel“, heiße seine Divise daher. In einem gut gefüllten Saal mit Vertretern vieler politischer Parteien, der Kirche, und der Forchheimer Werbegemeinschaft, informierte Kathrin Bremer von Trans Fair e.V., Kampagnenleiterin der „Fairtrade-Städte“ in Deutschland, über Motivation und Ziele des fairen Handels.
Soziales, Ökonomie und Ökologie stehen im Mittelpunkt der Idee, wie Bremer erklärte, „die drei Säulen der Nachhaltigkeit“: Faire Arbeitsbedingungen, Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit, ein gerecht ausgehandelter Lohn, der den Familien überhaupt erst eine Existenzgrundlage bieten kann und ein umweltschonender Anbau seien zentrale Punkte, die mit den Bauern vor Ort vereinbart werden. Ein Erwerb eines fairen Produkts unterstützt die angeführten Punkte. Dabei beschränke sich die Idee schon längst nicht mehr nur auf Kaffee. Seit Gründung des Trans Fair e.V. 1992 weitete man die Produktpalette auf Tee, Schokolade, Früchte, Blumen und mittlerweile Textilien aus.
„Drei Cent mehr“
„Mehr wie zwei oder drei Cent mehr pro Tasse Kaffee wird’s dem Stadtrat nicht kosten, in Sitzungen fairen Kaffee zu trinken“, so Hümmer. Einen positiven Werbeeffekt gibt er zudem zu bedenken. Doch zuerst, so sehen die Richtlinien der Kampagne vor, muss es in Forchheim zu einem entsprechenden Ratsbeschluss kommen. Im Juni haben die Freien Wähler einen Antrag gestellt, Forchheim zur „Fair-Trade-Stadt“ zu machen.
Mit der Infoveranstaltung wollte Hümmer der „Voreingenommenheit im Stadtrat“ kurz vor der erneuten Beratung des Antrags im November, begegnen. Die politischen Vertreter im Raum zeigten sich der Idee gegenüber aufgeschlossen.
Nach einem ausstehenden Ratsbeschluss, der vorsieht, in allen Sitzungen und Ausschüssen Fair-Trade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus dem fairen Handel zu verwenden, muss eine Steuerungsgruppe gebildet werden, die Forchheim zu einer „fairen Stadt“ führen soll. Gewonnen werden müssen für die Größe Forchheims dabei mindestens sieben Geschäfte und vier Gastronomiebetriebe, die je mindestens zwei faire Produkte führen. Dann kann der Titel „Fairtrade-Stadt“ für zunächst zwei Jahre verliehen werden, mit anschließender erneuter Überprüfung der Kriterien durch Trans Fair. PATRICK SCHROLL
