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"Die Jugend säuft sich um den Verstand"

04.05.2009 - FT

Forchheim "Da betreibt ein Verein, der sich die Jugendarbeit auf die Fahnen geschrieben hat, eine Schnapsbude am Annafest, um damit die Jugendarbeit zu finanzieren" beklagt sich der Vorsitzende der Freien Wähler, Manfred Hümmer, in einer Pressemitteilung. Zu dieser Praxis habe sich der stellvertretende Vereinsvorsitzende in einem Radio-Interview eindeutig bekannt.
Ein Fahrlehrer, dem der hohe Blutzoll junger männlicher Erwachsener im Straßenverkehr als Folge überhöhten Alkohol- oder Drogeneinflusses bekannt sein müsste, predigt im Theorieunterricht Wasser und begründet die von ihm mit initiierte Schnapsbude mit dem kommerziellen Interesse des Vereins, kritisiert Hümmer weiter.
Unglaubwürdig Unglaubwürdig seien solche Statements deshalb, weil hier kein ernsthafter Wille erkennbar sei, tatsächlich etwas gegen das Koma-Saufen Jugendlicher zu unternehmen. Unstrittig findet Hümmer, dass dem Phänomen nicht allein durch das Verbot der Schnapsbuden begegnet werden kann. Für unstrittig hält er aber auch, dass gerade deshalb im Stadtrat parteiübergreifend weitere Schritte folgen müssten. Eine ernsthafte verwaltungsrechtliche Überprüfung, ob das Verbot harter Getränke während des Annafestes nicht doch für Kellerwirte greifen könnte, sei ebenso notwendig, wie ein Gespräch mit den Kellerwirten, die sich freiwillig darauf einigen könnten, auf den Schnapsausschank zu verzichten.
Intensiver kontrollieren Intensivierte Vorkontrollen an den Zugangswegen zum Festgelände sollen das Ziel haben, erkennbar angetrunkene Jugendliche aufzugreifen und das Mitführen von Alkoholika zu unterbinden. Ebenso müsse der Verkauf von Spirituosen an Jugendliche restriktiv geahndet werden. Gleichzeitig müsse eine auf Aufklärung beruhende frühzeitig einsetzende Prävention greifen. Mit ins Boot geholt werden müssten dabei Eltern, Vereine und Schulen.
Bei aller Hoffnung müsse man realistisch bleiben. Niemand könne ernsthaft etwas gegen ein gutes Bier oder ein Glas Wein haben. Es müsse aber gelingen, die Sichtweise im Hinblick auf die gesellschaftliche Adelung des Alkoholkonsums zu verändern. Gehört es wirklich zum guten Ton, sich Trinkritualen wie etwa dem "Pfläumli-Klopfen" zu unterwerfen? Werden Männer zu Helden, weil sie ohne mit der Wimper zu zucken scharfe Getränke konsumieren können? Macht Koma-Saufen junge Frauen attraktiver? Brauchen wir Schnaps auf Bierfesten? fragt der Chef der Freien Wähler in Forchheim.
Ein Anfang Es sei höchste Zeit zu erkennen, dass die Jugend im Begriff sei, sich "immer früher um den Verstand zu trinken." Studien belegten, dass bereits jeder dritte 15-Jährige über einschlägige Alkoholrausch-Erfahrung berichten kann. Der Stadtrat habe mit seinem Nein zu Schnapsbuden am Annafest von seiner Entscheidungskompetenz Gebrauch gemacht. Der Beschluss sei ein Anfang, der Hoffnung auf weitere Schritte macht, findet Hümmer.

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