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Die Firma Kartonax wird umworben und bekämpft
14.01.2009 - FT
Gewerbe - Der Streit um die Ansiedlung des Unternehmens im Gewerbegebiet Rittigfeld bei Kersbach ist noch nicht entschieden. Doch die Proteste gegen den Bau eines 40 Meter hohen Lagergebäudes haben bereits gewirkt.
(Ekkehard Roepert, Forchheim) Die mögliche Ansiedlung der Firma Kartonax im Gewerbegebiet Rittigfeld hat die Stadträte in drei Lager gespalten: Die Mehrheit (CSU, Freier Bürgerblock und FDP) begrüßt den Ansiedlungswunsch – schon wegen der 150 Arbeitsplätze.
Freie Wähler und Grüne protestieren aus Naturschutzgründen gegen das Projekt und auch weil "durch den Gewerbegürtel rund um Kersbach" (FW-Rat Manfred Hümmer) die Lebensqualität der Bürger reduziert werde.
Die SPD hält das Rittigfeld bei Kersbach grundsätzlich für geeignet, um Industrie anzusiedeln; ist aber mit den Ausmaßen der Gebäude (vor allem des geplanten Hochregallagers) und mit den "unausgereiften Planungen" (SPD-Rat Reinhold Otzelberger) nicht einverstanden. Daher schlug sich die SPD im Umweltausschuss am Montag vorerst auf die Seite der Ansiedlungsgegner.
Der Umweltausschuss sprach sich mit 9:5 Stimmen dafür aus, die Planungen voranzutreiben. Auf die Proteste gegen das 40 Meter hohe Regallager hat Hans-Georg Frank, der Architekt der Firma Kartonax, bereits reagiert. Das Lager ist jetzt 30 Meter hoch konzipiert, wird dafür aber 160 Meter lang.
Erschwert wird die Auseinandersetzung um Kartonax auch deshalb, weil der alternative Standort im Pfaffensee definitiv nicht mehr in Frage kommt. Selbst wenn der Grunderwerb abgeschlossen wäre; die Geometrie der Fläche passt nicht zu den Betriebsabläufen der Firma, ließ Architekt Frank wissen. "Das wirkt, als würde es für den Investor hingebogen." Albert Dorn Albert Dorn (SPD) fand es "seltsam", dass der "maßlose Flächenfraß" des Projektes nicht erwähnt werde. Dorn brandmarkte das Ingenieur-Büro Höhnen und Partner, das die Stellungnahmen (der Träger öffentlicher Belange) für die weitere Planung beurteilte. In dieser Beurteilung sah Dorn einen "Schnellschuss"; hier würden die Aussagen so "hingebogen", dass sie für den Investor passten.
Auch sein SPD-Kollege Reinhold Otzelberger wunderte sich über die Stellungnahmen. So habe der Planungsverband Oberfranken-West Maßstäbe angelegt, die in keiner Relation stünden zu den Ansiedlungen in Hallstadt oder Bayreuth. "Das ist nicht ehrlich", sagte Otzelberger.
Während Stefan Schick (CSU) die Kartonax-Ansiedlung als Chance für Forchheim ("Wenn nicht jetzt, wann dann") feierte, zeigte sich Annette Prechtel (FGL) empört über den "gigantischen Flächenverbrauch". In den Gebieten Pfaffensee und Rittigfeld sei die Stadt dabei, in kürzester Zeit 20 Hektar Boden zu versiegeln. Statt Umwelt-Ressourcen-Schutz zu betreiben, entstehe "ein Gewerbe-Brei am Tor zur Fränkischen Schweiz". Energische Ablehnung des Projektes auch bei Manfred Hümmer (FW): Dass 200 Meter vom geplanten Hochregallager entfernt ein Baugebiet (Stampfäcker) entstehen kann, hält er für undenkbar. Die Lebensqualität der Kersbacher werde durch die "optische Dominanz" der Industrie zusehends zerstört. Zudem seien die Fragen des Lärmschutzes und des Hochwassers noch nicht geklärt. Auch die Einwände der Unteren Naturschutzbehörde seien noch gar nicht berücksichtigt, so Hümmer.
Angeblich gibt es im Rittigfeld jede Menge Rote-Liste-Arten und 2000 Quadratmeter schützenswertes Silbergras.
"Es geht nicht um das Gewerbegebiet, sondern lediglich um das Hochregallager", meinte Dietmar Schneider (CSU) und plädierte, die weitere Planung von einer Bürgeranhörung abhängig zu machen.
Unter den Zuhörern saß auch Kartonax-Chef Hendrik Schumacher. Offenbar war es Oberbürgermeister Stumpf peinlich, dass sich Schumacher diese Diskussion anhören musste. Stumpf: "So führt sich ein Stadtrat auf, wenn er was verhindern will". Der Oberbürgermeister sprach vom Zeitdruck im Verfahren – Kartonax könne nicht bis September warten.
Hendirk Schumacher wies darauf hin, dass seine Firma "sehr viel Geld in die Hand" nehme. Eine 18 Millionen-Euro-Investition sei für ein Unternehmen mit 14 Millionen Umsatz auch ein Risiko. Das Familienunternehmen Kartonax, zwinge aber "niemanden etwas auf". Forchheim sei lediglich eine Alternative bei der Standortsuche gewesen. Von der Stadt sei man "sehr engagiert aufgenommen" worden. Ihm sei an einer guten Zusammenarbeit zwischen Firma und Kommune gelegen, nicht daran, durch Forderungen Zwänge entstehen zu lassen, sagte Schumacher.

